Midlife-Crisis ist für mich nicht das falsche Wort. Nur das falsche Bild dazu.
Für das, was ich erlebt habe, hab ich ein eigenes Wort gefunden.
Das Wichtigste in Kürze
MidlifeFuck anstatt Midlife-Crisis: Nix Awakening. Ehrliche Haltung.
- Midlife-Crisis: falsches Bild, nicht falsches Wort – Sportwagen und jüngere Partnerin haben mit der Realität vieler Frauen nichts zu tun.
- Awakening, Rethinking und mehr: klingen nett, helfen mittendrin trotzdem nicht.
- MidlifeFuck: wenn Eltern, Beziehung, Job und Körper gleichzeitig kippen – und die alten Bewältigungsstrategien nicht mehr funktionieren
- Danach zählt nur die Frage: Zurück zum alten Leben, oder nicht?
- Krise ist für mich: Kontrollverlust, Angst, Überforderung, inneres Gleichgewicht wankt
- Kein Zwang, daraus sofort Wachstum oder Sinn zu machen.
- Manchmal ist es einfach nur Fuck. Ende.
Midlife-Crisis? Das Wort ist nicht mein Problem
Mein Problem ist das Bild, das sofort im Kopf auftaucht.
Du kennst das Bild
Mann - Mitte 40 bis Mitte 50 kauft sich einen Sportwagen. Trennt sich von Frau und Kids und tauscht sein Leben gegen eine jüngere Freundin ein. Gerne fängt er auch mit Extremsport an - mindestens Marathon. Jetzt noch mal richtig aufdrehen. Sich wieder wie 20 fühlen.
Das ist das Bild, das mir seit Jahrzehnten begegnet, wenn irgendwer "Midlife-Crisis" sagt. Und ganz ehrlich: Ich hab noch nie eine Frau getroffen, deren Leben so aussah.
Aber die neuen Begriffe machen es auch nicht besser.
Also wird fleissig umbenannt, übrigens von Männern und Frauen. Raus kommt dann: Midlife-Awakening, Midlife-Rethinking, Pro-Aging statt Anti-Aging und viele mehr.
Klingt freundlicher, klingt nach Aufbruch statt Absturz.
Ich kann das nachvollziehen. Und trotzdem stimmt's für mich nicht.
Awakening, Rethinking, Aufbruch – ja, kann ich nachvollziehen. Rückblickend kann ich meiner eigenen Krise heute auch was abgewinnen. Aber mittendrin, als bei mir alles gleichzeitig kippte?
Ach, fick dich mit deinem: in jeder Krise liegt ein Chance. Oder gleich die grosse Aufbruchstory. Ich war in der Lebensmitte in einer fetten persönlichen Krise. Da gibt's erst mal nix schön zu reden.Anerkennen bitte sehr.
Und ja, es gib Begriffe, die näher an meiner Realität dran waren. Midlife-Squeeze zum Beispiel – als würdest du in so einer Zitronenpresse stecken - von allen Seiten drückt's. Das trifft's schon eher.
Was bei mir tatsächlich los war.
So sah Midlife-Crisis bei mir tatsächlich aus.
April 2023. Meine Mutter kommt wieder in die Psychiatrie. Im selben Zeitraum stirbt mein Vater. Danach: der Admin-Marathon. Behörden, Formulare, Beerdigung organisieren. Und nebenbei, die ganze Zeit im Hinterkopf, diese Frage, auf die ich noch immer keine Antwort hatte: Was mach ich eigentlich beruflich?
Bei mir sah die Gleichzeitigkeit an diesem Punkt brutal aus. Sie muss bei dir nicht so aussehen. Vielleicht stirbt bei dir gerade niemand. Vielleicht merkst du einfach: dein Job passt nicht mehr, deine Eltern brauchen dich plötzlich, deine Beziehung fühlt sich anders an, und dein Körper hat auch noch eigene Pläne.
Bei mir war's so: Innerhalb kurzer Zeit wurden beide Eltern pflegebedürftig. Mein Business wackelte. Meine Beziehung war so "lala". Die Wechseljahre funkten. Alles gleichzeitig - nichts davon zuerst.
Und das war noch nicht mal das Schlimmste.
Ich hab jahrelang eine bestimmte Art gehabt, mit Problemen klarzukommen: mehr organisieren, mehr funktionieren, ein Ding nach dem anderen abarbeiten. Hat immer geklappt. Diesmal nicht.
MidlifeFuck ist nicht nur, dass dir alles gleichzeitig um die Ohren fliegt. Es ist auch der Moment, wo du merkst: Meine alten Bewältigungsstrategien funktionieren auch nicht mehr.Irgendwann hab ich mich nicht mehr gefragt: Wie kriege ich das alles wieder hin? Ich hab mich gefragt: Will ich überhaupt zurück zu dem Leben, das ich vorher hatte?
Was dahinter genau steckt und wie du merkst, ob du selbst mittendrin bist, hab ich an anderer Stelle ausführlich aufgeschrieben. Hier geht's mir um was anderes: um das Bild, das wir uns von dieser Phase machen.
Also hab ich mir mein eigenes Wort gesucht - MidlifeFuck.
Midlife-Crisis? Das alte Bild dahinter passt für mich nicht. Zu männlich, zu Sportwagen
Awakening passte auch nicht. Zu früh, zu glatt. Auch die anderen Begriffe spiegelten nicht wieder, wie meine Realität aussah.
What the fuck! What the MidlifeFuck!
MidlifeFuck it is.
Warum ausgerechnet Fuck? Weil es sich mittendrin nicht nach Awakening angefühlt hat. Nicht nach Transformation. Nicht nach "das ist jetzt meine beste Zeit".
Es fühlte sich an wie: Fuck. Was passiert hier gerade?
MidlifeFuck ersetzt für mich die Midlife-Crisis nicht. Es beschreibt, wie sich meine Midlife-Crisis angefühlt hat.

Ich bin Bettina Sturm – deine MidlifeKomplizin.
Ich helfe Frauen 50+, die mitten im MidlifeFuck stecken, wieder klar zu werden: über sich, ihr Leben und was als nächstes kommt. Ich hab das nicht studiert. ich kenne das nicht aus Büchern.
Ich bin da selbst durch – mit allem, was dazugehört: Pflegebedürftige Eltern, Business-Krise, Beziehung, Wechseljahre. Alles gleichzeitig.
Warum ich trotzdem von Krise spreche.
Ich will das Wort Krise nicht loswerden. Ganz im Gegenteil.
Krise heißt nicht: mit dir stimmt was nicht.
Krise heißt nicht: du bist krank, du bist gescheitert, du spinnst.
Für mich heißt Krise:
Meine bisherigen Bewältigungsstrategien funktionieren nicht mehr. Ich habe das Gefühl, ich hab die Situation nicht mehr im Griff. Und hab Angst, verzweifle und fühle mich überfordert. Mein inneres Gleichgewicht gerät ins Wanken. Und nein, es ist keine Herausforderung mehr.
Und wenn du in einer Krise steckst, dann musst du nicht sofort erklären, was für ein Wachstum da drinsteckt. Du musst es nicht zur Chance umdeuten, bevor du überhaupt verstanden hast, was überhaupt los ist.
Kein Happy End auf Bestellung.
Mittendrin war es Fuck. Heute sehe ich, was daraus entstanden ist.
Das konnte ich damals noch nicht wissen.
Aber das ist meine Geschichte, im Rückblick. Nicht deine Bedienungsanleitung. Du musst aus deinem MidlifeFuck gerade gar nichts machen. Keine Lektion ziehen, keine Erkenntnis präsentieren, kein "und dann hab ich verstanden, dass...".
Es reicht, wenn's gerade einfach Fuck ist.
Kein Fazit. Nur ein Wort.
FUCK YEAH!
Wenn du beim Lesen gedacht hast: „Das kenne ich. Genau so fühlt sich das an." – dann bist du nicht allein.
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