Ungeduld in der Lebensmitte taucht selten allein auf. Bei mir bringt sie alte Wunden mit.

Du kennst das vielleicht: Irgendjemand ist zu langsam. Irgendetwas läuft nicht nach Plan. Und plötzlich bist du nicht mehr leicht genervt - du kochst. Schneller als dir lieb ist, heftiger als die Situation rechtfertigt.

Und du fragst dich: Warum reagiere ich eigentlich so? Hab ich da was aus meiner Familie mitgenommen? Und wann lasse ich das endlich hinter mir?

Hier meine ehrliche Beobachtung - keine Diagnose: Bei mir steckt hinter Ungeduld oft ein altes Ohnmachtsgefühl. Ob das bei dir auch so ist? Das weisst nur du.

Was ich weiss: Die Lebensmitte holt solche Muster gerne wieder ans Licht. Laut. Ungebeten. Mitten im Alltag.

In diesem Blogpost bekommst du:

  • meinen ehrlichen Blick darauf, was bei mir hinter Ungeduld steckt
  • mein konkretes Beispiel, wie mich dieses Muster bei einer Wohnungssuche eiskalt erwischt hat
  • und die eine Frage, die seitdem meinen Autopiloten unterbricht

Das Wichtigste in Kürze

Was ich aus meiner eigenen Erfahrung mitgenommen habe — kein Patentrezept, sondern mein ehrlicher Blick.

  • Ungeduld in der Lebensmitte hat oft nichts mit der aktuellen Situation zu tun. Sie fühlt sich körperlich alt an, nicht logisch alt
  • Hinter Ungeduld steckt häufig ein altes Ohnmachtsgefühl: Ausgeliefertsein, Kontrollverlust, Stillstand
  • Ungeduld zeigt sich nicht nur gegenüber anderen. Die härteste Form ist Ungeduld mit sich selbst
  • Ungeduld ist kein Makel. Sie ist Information - ein Schutzmechanismus, der mal Sinn ergeben hat
  • Wenn der Körper auf 180 geht, obwohl der Kopf sagt „ist doch gar nicht so schlimm", dann lohnt sich die Frage: Worum geht's hier wirklich?
  • Erkennen ist kein kleiner Schritt. Er ist der Entscheidende.

Eine Erkenntnis über Ungeduld, die mich kalt erwischt hat

Frauke hat mir in einem Kommentar zu meinem Jahresrückblick 2025 geschrieben: 

Und ja, wahrscheinlich ist es diese Lebensmitte, die aus uns herauskitzelt, was denn nun wirklich, WIRKLICH ist… Ich kenne das selbst auch und habe schon die dollsten Dinger ausgebuddelt, wo ein Teil von mir immer nur noch dachte – WHAT? Wo kommt der Kram denn her?

Und ja, es kommt auch bei mir immer wieder Neues ums Eck. Letztens habe ich über Ungeduld gelesen.

Bei Roland Kopp-Wichmann las ich: „Ungeduld ist oft kein Zeitproblem, sondern ein altes Ohnmachtsgefühl. Es geht um Kontrollverlust."

Und wie so oft, sind die Wurzeln in der Kindheit.

Ich habe mich ausgeliefert gefühlt. Heute darf das nicht mehr passieren. Es muss alles schnell gehen und bitte nach meinen Regeln.

Wie zeigt sich das bei mir — konkret im Alltag?

Wenn andere nicht so fix sind wie ich:
Meine innere Stimme sagt: „Das ist doch echt nicht so kompliziert."Äußeres Verhalten: kürzere Antworten, härterer Ton, weniger Nachfragen. Das Verrückte dabei: Je ungeduldiger ich werde, desto langsamer wird oft mein Gegenüber. Ich will beschleunigen und bremse. Shit.

Bei mir selbst - und das ist die härteste Form: 
Ich bin genervt, wenn ich noch nicht „klar genug" bin. Ich will Entscheidungen treffen, obwohl innerlich noch Chaos ist. Ich gebe mir selbst zu wenig Zeit zum Sortieren. Dabei weiß ich: Ich bin die Strategiefrau. Ich brauche Zeit zum Sortieren.

Aber meine Ungeduld flüstert: „Jetzt. Es muss jetzt klar sein."

Projekt „Geile Butze für meinen Sohn in Leipzig finden — asap"

Warum ich aus allem ein Projekt mache

Mein Sohn fängt sein Studium in Leipzig an. Startdatum: 1. März. Für mich brannte es: Bis dahin muss er eine gute Wohnung haben, alles in place, damit er gut starten kann.

Also habe ich gemacht, was ich immer mache: Ein Projekt draus gemacht.

Klingt vielleicht komisch, aber genau so gehe ich an alles ran:

  • Krise? Projekt.
  • Neuorientierung? Projekt.
  • Wohnungssuche? Projekt.

Warum? Weil ein Projekt Struktur gibt. Und Struktur gibt mir Kontrolle zurück - auch wenn rundherum Chaos ist.

Projekt Wohnungssuche Schritt für Schritt - zum Aufklappen

Was brauchen Vermieter, damit sie sofort spüren: Der ist „sicher", verbindlich, geht wertschätzend mit meinem Eigentum um?

  • Mietdossier erstellt mit Mieterprofil, Schufa-Auskunft und Elternbürgschaft
  • Antwort-Text-Templates erstellt - bei privaten Vermietern haben wir dann immer ein paar persönliche Sätze vorneweg geschrieben

Wie komme ich an Wohnungsangebote?

  • Alerts geschaltet in den einschlägigen Immoportalen: Immoscout, Immowelt, Kleinanzeigen
  • Google & KI befragt: Wie komme ich als Student in Leipzig an bezahlbaren Wohnraum? Da purzelten raus: Wohnungsgenossenschaften, Angebote ohne und mit Makler
  • Hausverwaltungen kontaktieren: Im ersten Schritt Schilder an passenden Häusern fotografiert
  • Quatschen über die Wohnungssuche mit jedem, der nicht bei 3 auf dem Baum ist
  • Wohnungsgesuch schalten (Zeitungen, Facebook-Gruppen, Immoportale...): wollte mein Sohn nicht.

So bekam ich über eine Freundin bekam ich den Kontakt zu einer Hausverwalterin. Hier sind ihre Top 3:

Wohnungssuche von "jungen Leuten" -  Top-3 Tipps einer Hausverwalterin:

1. Schnell sein: Richtig geile Angebote sind oft nach 15 Minuten schon wieder off, weil es so viele Bewerber gibt.

2. Sicherheit vermitteln: Im Gespräch darüber sprechen, dass du an einem langfristigen Mietverhältnis interessiert bist. „Gerne kann auch eine Mindestmietdauer von 2 Jahren vereinbart werden."

3. Sprich mit mir: „Die jungen Leute trauen sich oft nicht, mit mir zu sprechen. Macht das bitte. Ich will dich kennenlernen. Was bist du für ein Typ? Habe ich ein gutes Gefühl mit dir? Erzähl von dir — was studierst du, warum, und finde eine Brücke zu mir."

Wenn zwei Persönlichkeiten aufeinanderknallen

Und wie sah das in der Praxis aus? Zwei Persönlichkeiten knallen aufeinander.

ICH: Aus allem ein Projekt machen und los. Mit Durchblick fix ans Ziel.
Mein Sohn: Kein Plan, wie Wohnungssuche funktioniert - woher auch. Und dann sein ganz eigenes Tempo und Temperament.

Boah, war ich in Fahrt, wenn er nicht so fix mit Beantworten der Annoncen war. Auf der einen Seite bin ich der Meinung: Bei bestimmten Themen musst du einfach richtig Gas geben, Arschbacken zusammenkneifen und machen. Auf der anderen Seite: Natürlich musst du gut vorbereitet in den Prozess starten und dann fix mit Reaktionen auf Anzeigen sein. Wenn ich dann mitbekomme, dass er in meinen Augen vor sich hindödelt - dann geht mir die Hutschnur hoch.

Ich war genervt, frustriert und verärgert. Und ja, da waren einige gute Anzeigen schon wieder off, bevor er sich in Bewegung setzte.

Und dann sagte mein Sohn:

Mama, du überfällst mich mit 1.000 Sachen, die ich jetzt machen soll. Ich bin vor 2 Minuten aufgewacht.

Upssss. Das hat gesessen. What the fuck.

FUCK YEAH!

Wenn du beim Lesen gedacht hast: "Genau, kenn ich." Dann bist du nicht allein.
In meinem Newsletter schreibe ich für Frauen 50+, die hinschauen wollen, was da wirklich in ihnen vorgeht - ehrlich, ohne Schönreden, ohne Durchhalte-Parolen.

>> Hier kannst du dich eintragen.

Der Moment, wo der Groschen fällt

Weil ich da gemerkt habe: Hier geht's nicht mehr um die Wohnung. Hier geht's um mich.

Meine Ungeduld fühlte sich so unverhältnismäßig stark an. Nicht im Kopf - im Körper. Diese Anspannung. Diese innere Eile.

Und das ist der Hinweis:
Wenn Ungeduld sich „alt" anfühlt - nicht logisch alt, sondern körperlich alt - dann geht es nicht um die Situation. Dann schützt mich mein Nervensystem vor einem alten Gefühl: Ausgeliefertsein. Ohnmacht. Stillstand.

Bei mir ist die Ungeduld alt, weil ich sie oft als unverhältnismäßig stark empfinde und sie immer wieder in ähnlichen Situationen auftaucht. Immer wenn ich in Projekten involviert bin, wo auch andere performen müssen. Dann ist meine Meinung vom anderen: zu langsam, zu schlecht. Und ich komme nicht fix genug ans Ziel - wegen dir.

Das wiederholt sich bei unterschiedlichen Menschen, in verschiedenen Kontexten, über viele Jahre.

Ich bin immer in derselben Rolle:
Die Antreiberin, die Kontrolleurin, die Macherin. Und immer berührt es dieselbe Angst - nicht bewusst, sondern unterschwellig: Ohnmacht. Ausgeliefertsein.

Dann geht es nicht mehr um Zeit. Sondern um Sicherheit, Wert, Kontrolle.

Was ich daraus gelernt habe

Mein Sohn hat nach 14 Tagen Projekt seinen Mietvertrag unterschrieben. Mission accomplished.

Aber für mich war das Projekt ein anderes: Ich habe erkannt, dass meine Ungeduld kein Charakterzug ist. Sie ist ein Schutzmechanismus.

Und das ist kein Einzelfall. Die Lebensmitte räumt auf - ob wir wollen oder nicht. Sie holt raus, was noch nicht fertig ist. Was das mit uns Frauen macht, habe ich in Lebensmitte bei Frauen: Identitätskrise statt Hormonproblem aufgeschrieben.

Ich bin nicht ungeduldig, weil ich zu schnell bin. Sondern weil mein System gelernt hat, dass Stillstand früher gefährlich war.

Das ist kein Makel. Das ist Information.

Ich dachte lange: Ich bin halt schnell, klar, lösungsorientiert. Jetzt sehe ich: Meine Ungeduld schützt mich vor Ohnmacht. Vor dem Gefühl, warten zu müssen, abhängig zu sein, ausgeliefert zu sein, Dinge nicht steuern zu können.

Und ja, mein Tempo ist eine echte Kompetenz. Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe, sehe Zusammenhänge rasch, denke strategisch. Aber: Wenn mein Umfeld langsamer ist, triggert das nicht mein Denken - sondern mein Nervensystem. Ich reagiere dann nicht aus dem Heute, sondern aus einem alten inneren Zustand: „Ich muss es richten, sonst geht hier nichts voran."

Das Gefühl von „Es muss jetzt weitergehen", „Ich darf hier nicht steckenbleiben", „Ich muss handlungsfähig bleiben" - das fühlt sich alt an. Nicht logisch alt. Sondern körperlich alt.

Die eine Frage, die sofort hilft

Ich bin immer noch schnell, klar, lösungsorientiert. Das bleibt. Aber jetzt weiß ich: Wenn mein Körper auf 180 geht, obwohl der Kopf sagt „ist doch gar nicht so schlimm" — dann frage ich mich:

„Warte… worum geht's hier wirklich?"

Das entkrampft. Nicht immer. Aber immer öfter.

Es unterbricht das automatische Muster. Macht aus Reaktion Reflexion. Und manchmal reicht schon diese Pause, um zu merken: Hier geht's nicht um die Situation. Hier geht's um mein altes Ohnmachtsgefühl.

Und wer erstmal gar nicht reagieren kann oder will - dem empfehle ich die "Drei-Mecklenburgische-Seenplatten-Regel." Die hat sich Ildiko von Kurthy ausgedacht und in ihrem Buch „Alt genug" vorgestellt -abgewandelt vom Rat der Kommunikationstrainerin Jefferson Fisher: 

Einfach nichts tun. Ruhig ein- und ausatmen. Und innerlich mindestens drei Mal „Mecklenburgische Seenplatte" zählen. Dann reflektieren und reagieren.

Charmant. Und (meist) erstaunlich wirksam.


Erkennen ist kein kleiner Schritt — er ist der entscheidende

Du musst das nicht auflösen. Nicht heute. Nicht alleine.

Aber das nächste Mal, wenn die Ungeduld hochkocht - mach ne Sekunde Pause. Und frag dich: Huhhuu, bist du nicht ein "alter Bekannter"?

Genau da fängt es an.

>> Jetzt bin ich neugierig: Was ist dein letztes dolles Ding, das du ausgebuddelt hast?

Und wenn du denkst: Nice, von der will ich öfter lesen...

Dann komm in meinen Newsletter "Stürmische Zeiten". Jeden zweiten Samstag schreibe ich über meine Beobachtungen, Erkenntnisse, mein Leben - ehrlich, echt, für Frauen 50+.

>> Hier kannst du dich für meinen Newsletter eintragen



Bettina Sturm. Krise in der Lebensmitte – Klarheit und Rückenwind durch Coaching

Die schönsten Geschichten beginnen mit MUT!

Bettina Sturm schließt mit Mitte 50 ihr Unternehmen "Respekt Herr Specht und startet - nicht nur beruflich - noch mal neu durch. Heute ist sie Unternehmerin, Buchautorin, Podcasterin bei MidlifeKomplizin.

Für ihre Kundinnen ist sie je nach Anforderung: Cheerleader, Unterstützerin oder Partnerin in Crime.

Nicht Therapeutin - Sondern Komplizin. #MidlifeKomplizin

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN


{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

MEINE ANGEBOTE:

LASS UNS SPRECHEN:

Make your life f*cking awesome!

>